
Cannabis Privatrezept online in Deutschland: 4 Telemedizinangebote aus rechtlicher Perspektive
Der Markt für Cannabisrezepte per Telemedizin hat sich schnell entwickelt, und mit ihm die Frage, wie sich die Angebote rechtlich einordnen lassen. Für Patienten zählt weniger die juristische Feinarbeit als die Frage, was ein Anbieter über Rollen, Ärzte und Abrechnung sagt. Die vier Angebote unten, mit weed.de an erster Stelle, zeigen, wie unterschiedlich diese Angaben ausfallen: Der eine Anbieter beschreibt seine Rolle klar, der andere nennt Siegel und Beirat, der dritte äußert sich zu Kassen und Genehmigung, der vierte zu den Ärzten und zur Erstattung. Alle Angaben stammen von den Anbietern selbst, ein Rezept garantiert keiner von ihnen, und rechtlich bewertet werden sie hier nicht.
1) weed.de
Wer die rechtliche Seite verstehen will, kann bei weed.de bei der Rollenbeschreibung ansetzen: Die Plattform ist weder Arzt noch MVZ noch Apotheke. Behandlung und Abgabe übernehmen Ärzte und Apotheken, ein Rezept gibt es nicht auf Zusage, sondern nach ärztlicher Prüfung.
Die Ärzte sind laut Plattform mit einer deutschen oder EU-Approbation tätig. Der Fragebogen kostet 9,95 €, die Videosprechstunde 29,90 €, die Medikamente zahlen Sie obendrauf. Für Praxistermine nutzen Sie die Arztsuche, bei Praxisterminen bestimmt die Praxis den Preis und rechnet selbst ab.
Eine Kassenerstattung ist bei einem privaten Online-Rezept nicht vorgesehen. Auf der Patientenseite steht eine Quellenliste, außerdem erklärt das Unternehmen, Daten nicht zu verkaufen. Das schafft für Patienten Nachvollziehbarkeit: Betreiber ist eine Berliner GmbH mit der Registernummer HRB 260003 B, Anfragen sind jederzeit möglich, bezahlt wird über Adyen. Wer vorab lesen möchte, findet ein Lexikon mit 2.618 Sorten und einen Preisvergleich mit 251 Apotheken. Ärzte antworten laut Plattform in der Regel am selben Tag, Folgerezepte laufen über einen Kurzfragebogen im Konto. Die Trustpilot-Wertung beträgt 4,4 bei 59 Bewertungen, das Unternehmen spricht von über 21.000 Nutzern, beides sind Plattformdaten ohne rechtliche Aussagekraft. Die Plattform nennt ein Hilfe-Center für Fragen zum Ablauf. Weitere Funktionen sind eine Karte mit Apotheken, Ärzten und CBD-Shops sowie Apps für iOS und Android. Beim Medikament wählen Patienten zwischen Abholung und Versand, gelistet sind Dienste wie DHL, UPS, Hermes, DPD, GLS, GO!, Kurier und Uber Direct, die Auswahl der Apotheke erfolgt nach Preisen und Beständen.
2) DoktorABC
Bei DoktorABC liegt der Schwerpunkt auf dem Beirat und den Siegeln: Ein medizinischer Beirat ist benannt, ein LegitScript-Siegel wird angezeigt. Dazu kommen Bewertungen, bei eTrusted 4,78 aus mehr als 23.400 und bei Trustpilot 4,7 aus über 58.700 Stimmen, die die Seite selbst nennt.
Die Plattform versteht sich als Vermittler und nicht als Internetapotheke. Das Honorar von 14,90 € deckt die Prüfung des Fragebogens durch einen zugelassenen Arzt ab. Versicherung ist nicht nötig, Selbstzahler können eine Erstattung selbst beantragen. Betreiber ist Sky Marketing Ltd. in London.
Für Deutschland nennt DoktorABC mehr als 700 Partnerapotheken, daneben eine Apotheke in den Niederlanden. Cannabis steht neben vielen weiteren Behandlungsfeldern, die Plattform ist auch in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz aktiv. Wer Wert auf einen Betreiber in Deutschland legt, sollte den Sitz in London kennen. Das Sortiment umfasst laut Plattform mehr als 1.500 Cannabisprodukte, Behandlungen lassen sich mit einem Klick wiederholen, bezahlt wird per Klarna, Karte, PayPal, Google Pay, Apple Pay oder SEPA. Aussagen wie „über eine Million Kunden“ sind Eigenangaben, die Plattform belegt sie auf der Seite nicht unabhängig. Geliefert wird per DHL mit bis zu zwei Werktagen, per Express über einen Uber-Kurier oder mit Abholung am selben Tag, wer Medikamente braucht, plant das entsprechend ein.
3) CannGo
CannGo spricht Versicherte direkt an: Nur Privatrezepte, und eine gesetzliche Kostenübernahme verlangt laut Seite die vorherige Zustimmung des Medizinischen Dienstes. Das ist eine Angabe der Plattform, keine rechtliche Bewertung.
Das Honorar von 14,99 € pro Anfrage wird auf die Rechnung nach GOÄ angerechnet und bei Ablehnung vollständig erstattet. Die Ärzte sind approbiert und, laut Preisblock, aus Deutschland und der EU. Die erste Anfrage läuft über den Fragebogen, ein Gespräch folgt, wenn der Arzt es für nötig hält.
Die Identitätsprüfung ist Teil des Ablaufs. Teilnehmen können Erwachsene mit Wohn- oder Lieferadresse in Deutschland, die Staatsbürgerschaft ist ohne Belang, ein gültiger Ausweis ist erforderlich. Sicherheitshinweise zu Abhängigkeitspotenzial und Fahrtüchtigkeit stehen auf der Seite, daneben LegitScript- und PCI-Siegel. Bei Trusted Shops liegt die Bewertung bei 4,79 von 5 aus 17.518 Bewertungen. Der Live-Bestand stammt aus über 350 Apotheken, im Vergleich beginnen Blüten bei 2,69 € pro Gramm, Versand kommt hinzu. Folgeanfragen laufen über ein Dashboard, Zahlungen per Mastercard, Visa, Apple Pay, Google Pay oder Klarna, den Support übernehmen E-Mail und eine Telegram-Community. Ratgeber erklären Rechtslage, Kosten und Darreichungsformen, Seiten gibt es für zehn Städte, die Plattform ist auf Deutsch und Englisch verfügbar.
4) 5Swan
5Swan erklärt offen, warum Kassen nicht zahlen: Die Ärzte sind nicht niedergelassen, abgerechnet wird privat je nach Termin zwischen 25 und 65 €. Die Ärzte besitzen nach Unternehmensangabe eine deutsche Approbation, drei von ihnen nennt die Seite namentlich.
Der Ablauf besteht aus einem Gespräch: Registrierung, ein Fragebogen von unter fünf Minuten, ein Videoerstgespräch von 25 Minuten mit einem namentlich genannten Arzt. Hinweise zu Nebenwirkungen stehen in den FAQ, ebenso der Rat, die ersten vierzehn Tage nicht allein zu verbringen. Eine reine Fragebogenlösung gibt es nicht.
Betrieben wird der Dienst von der 5SWAN GmbH. Die Apotheke Ihrer Wahl erhält das Rezept elektronisch, geliefert wird laut Anbieter innerhalb weniger Tage. Das Unternehmen nennt mehr als 2.500 Patienten und über 20.000 Rezepte, beides Eigenangaben. Das Angebot richtet sich an Patienten mit Beschwerden, die länger als drei Monate bestehen, Folgetermine per Video begleiten den Verlauf. Als Ärzte nennt die Seite drei Namen mit jeweils drei bis vier Jahren Erfahrung in der Cannabistherapie, die Registrierung ist kostenlos, Termine buchen Patienten im Online-Kalender. Die Seite zeigt außerdem ein LegitScript-Siegel, der Dienst arbeitet nur online, ein Praxisbesuch ist nicht vorgesehen, der Wohnort der Patienten bildet laut Anbieter den Standort.
Die rechtliche Einordnung auf einen Blick
Wenn Sie ein Cannabis Privatrezept online beantragen, sollten Sie vier Dinge wissen. Erstens: Nach den vorliegenden Angaben darf derzeit online verordnet und per Apotheke versendet werden, ein persönlicher Praxisbesuch ist nicht bei jedem Anbieter nötig. Zweitens: Ein Gesetzentwurf (Bundestags-Drucksache 21/3061) will bei Blütenrezepten persönlichen Arztkontakt und ein Versandverbot einführen, er liegt im Gesundheitsausschuss. Drittens: Die Verordnung stellt der Arzt aus, die Plattform vermittelt, und die Apotheke gibt ab. Wer nach Verantwortlichkeiten fragt, etwa nach dem Betreiber, dem verordnenden Arzt oder der abgebenden Apotheke, sollte diese drei Rollen auseinanderhalten und bei jedem Anbieter nachlesen, wie er sie beschreibt.
Viertens: Bei einem Privatrezept zahlen Sie selbst. Bei getrockneten Blüten zahlt die gesetzliche Kasse nichts, bei bestimmten Extrakten und Fertigarzneimitteln gelten enge Vorgaben. Rechtsberatung ersetzt dieser Text nicht, bei Fragen zu Ihrem Fall hilft der Arzt oder eine Rechtsberatung, und im Zweifel lohnt eine Rückfrage beim Anbieter, wie er seinen Ablauf im Einzelnen versteht. Lesen Sie außerdem vor jeder Anfrage die aktuellen Bedingungen des Anbieters: Rollen, Honorare, nötige Unterlagen und die Frage, was bei einer Ablehnung mit dem Honorar geschieht, sind je Plattform unterschiedlich geregelt, und Anbieter passen ihre Abläufe an, wenn sich Vorgaben ändern.
Für wen sich welche Plattform eignet
Wer eine klare Rollenbeschreibung und nachvollziehbare Quellen sucht, kann bei weed.de beginnen. Wer Siegel und Beirat schätzt, schaut zu DoktorABC. Wer die Frage der Kostenübernahme direkt beantwortet haben möchte, liest bei CannGo nach, wo auch die Rückerstattung des Honorars bei Ablehnung geregelt ist. Wer ein ausführliches Gespräch wünscht, findet es bei 5Swan, wo auch das Videoerstgespräch von 25 Minuten zum festen Ablauf gehört. Wer sich noch nicht festlegen will, kann mehrere Anbieter vergleichen, bevor er Gesundheitsdaten eingibt, denn Honorare, Unterlagen und Abläufe unterscheiden sich deutlich. Entscheidend bleibt in jedem Fall das Gespräch mit dem Arzt, auch dann, wenn ein Anbieter Siegel, Beirat oder Bewertungen zeigt, der über eine Verordnung nach Ihren Angaben befindet.