Liebes Fåborg,
ich mag Dich, schon seit langem. Dennoch komme ich immer seltener hierher. Ich weiss auch mittlerweile warum. Du bist dran schuld.
Du hast einen sehr netten Handelshafen und einen großen Yachthafen mit toller Ausstattung. Den hast Du sogar in diesem Jahr noch mal ausgebaut. Man findet hier alles – Supermärkte, Restaurants,Tankstelle, Fischräucherei sowie einen sehr hübschen und
historischen Stadtkern. Dein Internet ist umsonst und super schnell. Es lohnt sich wirklich, Dich besuchen zu kommen. Eigentlich. Aber leider ist Schönheit nicht alles. Wenn man sich kennen lernt, zählt oft erst das Äußere. Aber je näher man sich kommt, desto mehr schaut man sich den Anderen genauer an. Und beim näheren Hinsehen entsteht bei mir ein fader Geschmack. Ich erkläre Dir mal, warum. Du hast nämlich einen fiesen Schönheitsfehler:
Heute morgen um 7 Uhr werde ich wach. Ich bin gestern recht früh
schlafen gegangen und mein vom Starkwind pfeifendes Rigg weckt mich. Was mache ich als Erstes, wenn ich aufstehe? Kaffee. Was braucht man dazu? Kaffepulver, eine Tasse, Filter, Wasserkocher und -oops! – Wasser. Das gerade Wasser eine Schwierigkeit sein könnte, vermutet man in der Wüste, aber nicht in Nordeuropa. Aber hier muss man Wasser kaufen. Und zwar nicht in Flaschen, sondern man bekommt bei Dir nur Leitungswasser aus dem Automaten per Bezahlung. Für einen Kaffee reichen mir etwa 300 ml davon. Das würde ich morgens sogar bezahlen. Ich bekomme aber keine 300 ml. Denn Deine Mindestabnahme beträgt – so erschließt sich mir das am Automaten -
100 Liter. Ich hätte also 99,7 Liter übrig. Und keinen Platz dafür. Ich könnte ein paar 2-Literflaschen füllen, aber dann würden immer noch über 90 Liter ins Meer verklappt werden müssen. Mein Boot möchte ich auch nicht abspritzen, schon gar nicht Sonntags um 7 Uhr. Ja, ich weiss dass manche Menschen stundenlang ihre Boote waschen, wenn Wasser nichts kostet. Das könnte man aber unterbinden, in dem man den Leuten beispielsweise mit einem Cobb Grill als Strafe droht, aber lassen wir das…
Also musste ich eine leere Flasche nehmen und mit dieser durch leichten Nieselregen (Wasser, umsonst, von oben) zum Sanitärgebäude latschen. Doof nur, dass ich die Karte vergaß. Denn Deine Klos sind besser geschützt als Fort Knox. Man kommt dort sogar nur raus, wenn man eine Taste drückt, die die Klinke frei gibt. Also zurück zum Boot, durch stärkeren Nieselregen (übrigens 1A Trinkwasser, dieser Regen) laufen und die Karte holen. Damit komme ich dann rein. Und stelle fest: die Wasserhähne sind zu tief, um eine 2-Literflasche füllen zu können. Also wieder zurück und eine kleine 0,33 Flasche geholt. Wieder im Boot hatte ich sicher mehr Regen in der Kleidung als Wasser in der Flasche. Nun trinke ich hier also meinen Kaffee. Wenn er leer ist, muss ich wieder los. Und ich denke über uns nach, liebes Fåborg. Und ich finde so etwas doof. Kannst Du Dich in meine Lage versetzen? Kannst Du verstehen, wie ich über Dich denke? Ich glaube auch, dass Du Dich dafür selbst ein bisschen doof findest. Denn an den neuen Stegen sind nun kleine Wasserhähne angebracht, die auf Druck umsonst (!!!) Wasser in kleinen Mengen rausgeben. Ich glaube, insgeheim bewunderst Du Ærøskøbing dafür, dass sie die ganzen Automaten abgebaut haben. Aber das kannst Du nicht zugeben und deshalb machst Du so weiter, wenn auch mit kleinen Verbesserungen. Liebes Fåborg – verzichte doch einfach auf diesen ganzen Karten-Bezahl-Einlasskontrollen-Wasserkaufen-Mist. Dann bist
Du nämlich eine echte Schönheit. Und man könnte Dich dann wirklich lieb haben. Und ich würde Dich jedes mal nennen, wenn mich Leute nach schönen Törnzielen fragen. Mache ich bei Ærøskøbing auch wieder. Oft.
Dein Digger an Bro 4.
Bravo Ærøskøbing! Und: “Buh!” an Fåborg, Svendborg (Stadthafen), Cuxhaven usw. In Ærøskøbing fühlte ich mich willkommen, herzlich aufgenommen, in Svendborg nicht.
Haha …. die 2 l-Flasche passt nicht unter den Hahn …. aber schön inszeniert, die Geschichte.