Stauhinweise.

3-4 Monate. So lange bin ich letztes und dieses Jahr in etwa an Bord. Man kann sich vorstellen, dass man für so eine lange Zeit ziemlich viel Gedöns mit sich schleppen muss. Dieses Jahr hatte ich geplant, weniger mitzunehmen. Aber das kennen sicher viele: am Ende ist dann wieder jede Ecke im Boot voll. Bei einem kleinen 18 Fuß Plastikbecher stellt sich dann immer die Frage: wohin damit? Wo staue ich die ganzen Sachen?

Im Idealfalle entwickelt man ein System. Mein System vor der Reise hätten jeden Mitarbeiter, der am Flughafen Weight&Balance macht, feuchte Augen kriegen lassen. Jetzt, etwa 3 Monate später, würde er die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Das System ist nämlich ständig in Bewegung.

Ich hatte zunächst vor alles, was schwer ist, ins Vor“schiff“ zu packen – durch das zusätzliche Schott gibt es massig Stauraum. Also Anker, Werkzeug, Wasserkanister, Dingi und so weiter. Alles vorn rein, um nicht zu hecklastig zu werden. Eine Woche nach dem Ablegen im Mai waren dann alle schweren Dinge wieder glücklich in den Backskisten vereint. Warum? Weil es jedesmal ein Mords-Gewuchte ist, diese Sachen hervorzukramen. Ich muss sie nämlich im Liegen kramen. Durch diese Wanderung der Schwerlast nach hinten wandern andere Sachen automatisch nach vorn, weil dort wieder Platz ist. Und so ist die Logistik hier auf dem Boot ständig in Bewegung. Das führt zu einer Sache, die man auf 18 Fuß eigentlich nicht vermuten sollte: Suchaktionen und Selbstgespräche. „Wo ist eigentlich der Gaskocher?“

Ein System jedoch habe ich mir erhalten: die wichtigen Dinge sind immer da, wo sie sein sollen. Wichtiges und schnell Erreichbares in den Fallentaschen innen im Boot. Unwichtigeres wie Segeltape, Nähzeugs, Bändselrolle, Wurfleinen, Löschdecke, Verbandszeug etc liegen in den Staufächern unter den Duchten.  Dennoch gibt es einige Gegenstände, die ich nicht mehr finde. Mein nagelneuer Leatherman zum Beispiel – weg. Der Köcher hängt unter der Sprayhood. Aber er ist leer. Ich habe keinen blassen Schimmer, wo das Teil ist. Ich hoffe, ich finde ihn irgendwo wieder. Manchmal findet man Dinge irgendwo, wo sie gar nicht sein sollten. Als ich vorgestern zum Boot zurück kam, fand ich neben dem Logbuch (ja, ich führe ein Logbuch, lieber Seemannschaftskritiker) etwas, dass aussah wie die frühere, alte Kupferkuppel des Michel. So etwas komisch Grünes. Was war es? Brot. Eine Packung Vollkornbrot. Sie bewegte sich bereits und war kurz davor, sprechen zu können.

Für mich geht’s im Moment nicht weiter. Andreas mit der Cornish Maid bleibt auch noch hier, bis sich das Wetter beruhigt. Es ist ziemlich windig und in Intervallen kommen Gewitter und Schauer mit fixen Böen auf Kurzbesuche vorbei. Es ist egal.

 

Welcher Tag ist heute?

5 Gedanken zu “Stauhinweise.

  1. Hallo Digger Crew,
    wir legen mit unserer Pirola nicht weit von Skarö in Marstal und warten auf etwas bessere Wetterbedingungen. Wir hatten bisher für gut sieben Wochen bestes Sommerwetter. Jetzt suchen wir die Regenklamotten an Bord. Alles ein Stauproblem. Man muss schon ein wenig System und Ordnung an Bord haben, sonst kommt schon mal was weg.

    Noch eine schöne Reise für Dich und Polly
    Axel von der Pirola

  2. Hallo Digger

    Deshalb ist mir meine Sprinta Sport groß genug. Auf einem 40füßer würde ich mich totsuchen.

    Viele Grüße
    und besseres Wetter

    Jochen von der Garfield

  3. Hallo lieber Segelfreund!
    Ich schreibe dir aus Belgien/Blankenberge. Nach England – wollten eigentlich bis zu den Kanal-Inseln, was aber wegen ständigen Starkwindes gegenan leider nichts wurde – sind wir nun wider kurz vor unserem Heimathafen PORT ZEELANDE.
    Jetzt haben wir das Wetter, das wir für Alderny und Guernsy gebraucht hätten.
    Durch Zufall – Yacht Berucht von19.06.2013 – lese ich nun deine Aufzeichnungen in deiner Web.
    Köstlich!! Aber selbst auf meiner NAJAD391 teile ich deine Erfahrungen mit den Pack-Problemen..,, und dabei sind wir wirklich nicht “unordentlich”…
    Smile! Natürlich sieht das meine “Navigatöse” etwas anders…..
    Dir noch schöne Erlebnisse an Bord deines schönen Schiffes!
    Sonnige Grüsse
    SY SVELA
    Benno & Helga

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