Cobbschütteln.

Grillen zählt sicher zur beliebtesten Form der Zubereitung von Speisen auf Segeltörns. Nahezu jeder Hafen, vor allem in Dänemark, verfügt über Grillplätze. Grillen ist gesellig, wegen des Feuers hat es etwas von Outdoor-Abenteuer und es schmeckt dazu noch gut. Ein gutes Stück Fleisch oder Fisch, einen Salat dazu – mehr braucht kein Mensch.

Der Begriff “grillen” stammt ursprünglich aus dem lateinischen - craticulum für „Flechtwerk, kleiner Rost“.

Gegrilltes schmeckt vor allem deshalb so besonders, weil das Grillgut vom Rauch der Kohlen durchzogen wird. Fett tropft auf die glühenden Briketts und steigt als rauchiger Geschmacksgeber wieder auf. Soweit so gut.

In den 70ern wurden diese kleinen Tisch- bzw. Elektrogrills modern. Im Prinzip hatte das aber mit Grillen nichts zu tun, denn man hat einfach Fleisch auf einer durch glühende Stäbe erhitzten Metallplatte gebraten. Irgendwann fiel wohl jedem auf, dass diese kleinen Dinger zwar angesagt waren, aber mit dem Grillen an sich nichts zu tun haben. Allein schon geschmacklich nicht.

Da das Anzünden von Kohle immer etwas umständlich, manchmal auch gefährlich, und bei starkem Wind fast unmöglich ist, kamen immer neue Konzepte auf. Den Holzkohlegrill hat das jedoch nie gekratzt, er lebt weiter. Geschmack ist halt alles.

Seit einiger Zeit gibt es den Cobb Grill. Er hat sagenhafte Vorteile: er geht schnell an, die Aussenhaut der Kugel wird nicht heiss, es verbrennt nix und man muss sich nicht so viel darum kümmern.

Segler sind Herdentiere. Und der Cobb ist in Mode. Vor ein paar Jahren sah man hier und da mal einen Cobb. Mittlerweile sieht man fast nichts anderes mehr. Millionen und Abermillionen von Skippern tragen diese silbernen Teile durch die Häfen. Manchmal habe ich den Eindruck, die gehen damit sogar duschen. An Grillplätzen werden die Vorzüge vorgetragen und dabei wehmütig mit der Zunge geschnalzt.

“Geht superschnell und einfach an.”

“Ich kann sogar ein ganzes Huhn darauf machen.”

“Das Fleisch ist auf den Punkt!”

“Damit kann man sogar auf dem Boot grillen, weil er aussen nicht heiss wird.”

Ich war schon immer etwas skeptisch mit diesen Teilen. Aber man lässt sich ja gern eines besseren belehren und so habe ich es dieses Jahr wirklich getan. Ich habe von einem Cobb gegessen. Ja – das Fleisch war auf dem Punkt. Ja – er ging supereinfach an. Dennoch haben mir persönlich entscheidende Dinge gefehlt. Das Gefühl des Feuers, die glühende Kohle, die Zeit, die das Grillen beansprucht (wunderbar). Mir hat es gefehlt, einen Schuss Bier über das Grillgut zu kippen, um die Flammen zu löschen. Und es schmeckt nicht. Also es schmeckt gut, aber es schmeckt nicht nach Gegrilltem. Es schmeckt nach Gebratenem. Kein rauchiger Beigeschmack, keine verbrannten Ecken. Nichts. Gegartes Fleisch. Mehr nicht. Im Prinzip wie in einer Pfanne. Ist ja auch irgendwie nichts anderes: man entzündet eine Art Brikett (“ist aus Kokos, brennt in Sekunden”) und legt dieses unter eine Metallplatte, die sich erhitzt und auf der man das Grillgut gart. Irgendwie erinnert mich das wieder an die Elektrogrills aus den 70ern.

Nee, da bin ich leider raus. Ich werde weiterhin über Grillanzünder fluchen, mit einem Pappteller über der Kohle wedeln und Fleisch anbrennen lassen. Ich finde das nämlich wundervoll.

 

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8 Gedanken zu “Cobbschütteln.

  1. Genau so ist es. Zum Grillen gehört Holzkohle, Rauch, Bier, Fett das ins Feuer tropft,… . Gas, Elektro, … all das erzeugt nicht den einzigartigen Geschmack, wenn Fleisch über Holzkohlenglut gegrillt wird.

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    • Fett welches beim Grillen ins Feuer tropft ist der Gesundheit nicht zuträglich. Ausserdem hinterlässt es einen ekeligen Geschmack auf dem Grillgut.

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  2. Und wenn Du das mit einem Weber Go machst, hast Du eine saubere Sache. Unter den Kohlerost eine passende Aluschale “ohne” Perforierung, da lässt sich der Kohleanzunder reinlegen und anzünden. Darüber den Kohlerost und darauf die Kohlebriketts. Obenauf der V4A Fleischrot und wenn gewünscht der Deckel. Habe ihn in Deutschland noch nicht angeboten gesehen, deshalb in Varberg zugeschlagen.
    Gruß Walter aka mirror

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    • Ich habe diesen eckigen TrageWeber. Den haben die Dänen auch sehr viel. Großartiges Teil! Habe ihn aber nicht mit, weil es eh überall die schönsten Grillrosts gibt. Mein Favorit steht auf Avernakø (Korshavn).

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  3. oh ja. der trageweber. augenscheinlich der absolute renner im moment. habe diesen sommer fast keinen anderen gesehen. außer natürlich diesen cobb-dingern. allerdings sind die alle ja nicht wirklich platzsparend.
    ich hab einen edelstahl-steckgrill von fackelmann. der zieht wie die hölle. vorletzten samstag überstand das feuer sogar einen schlimmen gewitterschauer. das war echt beeindruckend, denn es kübelte so richtig runter. zusammengepackt ist er so groß wie eine lp-jubiläums-box, easy abwaschbar und nach der saison kommt er dann in die geschirrspülmaschine. ich liebe dieses ding.

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  4. Mein Favorit: Landmann Rundgrill!
    Passt im Karton in die Backskiste, vor dem Grillen müssen der Windschutz und die Beine montiert werden Man dreht die dreckigen Schrauben und Flügelmuttern rein, kippt Grillanzünder und Kohle rein und wartet. 2-3 Bier später das fettige Rost drauf, altes Fett abbrennen – Alufolie zu einem Knäuel formen und damit das Rost schruppen. Besser als jede Drahtbürste.
    Zumindestens gibt es bei dieser Variante dreckige Finger und das gehört doch zum Grillen.
    Den einzigen Luxus den man sich gönnen kann (weil Grillbriketts gerne mal in der Backskiste feucht werden) ist ein Anzündkamin. Keiner von Weber, sondern der billige von Aldi. Damit gehen auch die feuchten Briketts gut an.
    Am Ende Grill auskippen, abkühlen lassen, demontieren und ab in den Karton und die Backskiste (Mülltüte drum) – fertig aus.

    Aber ich vermute ich weiß warum alle auf den Cobb stehen – abgesehen von der Gratis Musto Evolution Hose :-) ! So nen modernes Boot ala Bavaria, Hanse, etc. hat ne Backskiste in der Größe der Handtasche einer Frau. Aber im Gegensatz zu dieser passt da nichts mehr rein. Weder Fender, noch nasse Segel, noch ne Pütz. Höchstens das Stromkabel (demjenigen der auf der Hanseboot mit seinem Wochenendgepäck inkl. Kiste Bier bei Bavaria auf dem Stand auftaucht und mal probepackt gebe ich nen Astra aus!) ! Aber vergleichen wir mal die Evolution bei den Handschuhfächern der Autos. Früher passte da mal ne Kiste Bier rein, heute noch gerade mal das Handbuch und das Wartungsbüchlein!

    Also irgendwie sind wir halt Old-School. Aber wer weiß wohin die Mode geht, Cobb Grill für die elektrische Winsch? Damit auch jeder ans Grillgut gut rankommt.

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  5. Pingback: Segeln auf der Adria 17: Der Cobb Grill im Einsatz | Travelling Dippegucker

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